Geologie und Erdgeschichte von Deutschland

Deutsche Alpen und Alpenvorland

Dachsteinkalk und Dachsteindolomit

Sedimente des obertriassischen Dachsteinkalks und Dachsteindolomits finden sich sowohl im Ost- als auch im Südalpin. Namensgebend ist das österreichische Dachsteingebirge bzw. Dachsteinmassiv. In den Nördlichen Kalkalpen bilden diese Gesteine Hochplateaus und bedeutende Gipfelbereiche. Auf deutscher Seite gehören Watzmann, Hochkönig und Steinernes Meer in den Berchtesgadener Alpen dazu.

Entstehung und Ablagerungsraum

Die Dachstein-Kalke und -Dolomite sind Bildungen eines flachmarinen, durchlichteten Tropenmeeres, das durch periodisches Trockenfallen gekennzeichnet war. In der Obertrias bestand am Südostrand Europas ein Schelfbereich mit ausgedehnten Karbonatplattformen. Die permanente Absenkung des Meeresbodens wurde durch kontinuierliche Sedimentation kompensiert, was die große Mächtigkeit der Ablagerungen erklärt. Jenseits der landnahen Wattzone, die der Entstehungsort des Hauptdolomits war, lag ein flacher Lagunenbereich, der an seinen Rändern zum offenen Meer von Riffbauten gesäumt war. Die Lagunen und Riffe waren der Bildungsraum der Dachstein-Kalke und -Dolomite. Nach Südosten folgte die Hallstädter Fazies des tieferen Schelfs (Abb. 1).

Abb. 1: Faziesräume der Nördlichen Kalkalpen in der Obertrias (vereinfachtes Schema), verändert nach Elicki & Breitkreuz (2016) und Faupl (2003)

Zwei unterschiedliche Faziestypen treten somit auf: gebankte Dachsteinkalke und massige Riffkalke. Beide sind altersgleich. Die Riffkalke repräsentieren ehemalige Riffbauten, die gebankten Dachsteinkalke Lagunenbereiche, die die Riffe umgaben und die gelegentlich trocken fielen. Riffkalke sind auf deutscher Seite hauptsächlich verbreitet am Hohen Göll und am Hohen Brett (Abb. 2), wo ihre Mächtigkeit mehr als 1200 m erreicht.

Die Rifffazies tritt weniger häufig auf, ist aber zeitgleich mit dem gebankten Faziestyp entstanden. Neben Korallen sind an den Riffbauten Kalkschwämme, Kalkalgen und andere gerüstbildende Organismen beteiligt. Das hell- bis mittelgraue Gestein wird vor allem aus Riffschutt aufgebaut. Es lassen sich Vor- und Rückriffbereiche erkennen, außerdem ursprüngliche Riffkerne. Lebendstellung von Rifforganismen ist selten, da auch in den Kernbereichen Riffschutt dominiert.

Abb. 2: Der Gipfelbereich des Hohen Bretts in den Berchtesgadener Alpen besteht aus Dachstein-Riffkalken

Die gebankten Dachsteinkalke bestehen aus dickbankigen, massigen Kalksteinen, deren Einzelbänke bis zu 20 m mächtig sein können. Entstanden sind sie aus feinkörnigem Kalkschlamm, der in einem tropischen Lagunenbereich zum Absatz kam. Dieser lag im küstenseitigen Rückraum der Riffbauten. Fossilien von großen Muscheln (Megalodonten) sind häufig. Aber auch Mikrofossilien (u.a. Foraminiferen) treten in großer Zahl auf. Sie belegen die günstigen Lebensbedingungen, die zur Entstehungszeit geherrscht haben müssen.

Die erkennbare Bankung der Dachsteinkalke geht zurück auf dünne Lagen aus feingeschichten Dolomiten. In rhythmischer Weise fiel der damalige Lagunenboden trocken. Die Sedimentation, die zur Bildung der dickbankigen Kalksteine führte, wurde dann unterbrochen. Das freiliegende Sediment verwitterte und wurde durch Wellenschlag aufgearbeitet, was sich im Sediment teilweise durch eingelagerte Brekzien niederschlägt. Bei sehr niedriger Wasserbedeckung kam es zur Besiedlung mit Algen, die heute als feingeschichtete Laminite vorliegen.

Insgesamt können bis zu 300 solcher Zyklen, die nach der Ortschaft Lofer im Bundesland Salzburg auch als Lofer-Zyklen bezeichnet werden, gezählt werden. Man spricht auch von der Lofer-Fazies. Als Ursache werden global wirksame eustatische Meeresspiegelschwankungen angesehen. Der Wechsel von massigen Kalkbänken im Meterbereich und dünnlagigen Dolomitlaminiten, die maximal wenige Dezimeter Dicke erreichen, führt zu der typischen Bankung des Dachsteinkalks, die auch aus der Ferne gut erkennbaren ist, beispielsweise an der Ostseite des Watzmanns.

Es gibt einen weitere Ausprägung der gebankten Dachsteinkalke, die als Reiteralm-Typus bezeichnet wird. Auch diese ist zyklisch aufgebaut, die Kalkbänke sind jedoch weiß bis cremefarbig und damit deutlich heller als beim Lofer-Typus. Außerdem ist der Dolomitgehalt niedriger. Die Sedimente des Reiteralm-Typus entstanden im Juvavikum und damit weiter südlich. Sie wurden im Rahmen der Deckenüberschiebungen in die heutige Position gebracht und grenzen in den Berchtesgadener Alpen an die Dachsteinkalke des Lofer-Typus, der dem Tirolikum angehört.

Abb. 2: Dachsteinkalk im Gipfelbereich des Predigtstuhls, Bad Reichenhall

Literatur

Bayerisches Landesamt für Umwelt (2023): Lithostratigraphie der Nördlichen Kalkalpen bayerischer Anteil: Perm und Trias. 194 S.; Augsburg

Elicki, O. & Breitkreuz, C. (2016): Die Entwicklung des Systems Erde. - 296 S.; Berlin, Heidelberg

Faupl, P. (2003): Historische Geologie. - 272 S.; Wien

Langenscheidt, E. & Stahr, A. (2011): Berchtesgadener Land und Chiemgau. - 190 S.; Heidelberg

Meyer, R. K. F. (2018): Der Bayerische Alpenrand zwischen Füssen und Berchtesgaden. - 144 S.; München